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Lasst es nicht so weit kommen, dass die Demokratie versagt

Das ehemalige Stasi Gefängnis in Berlin-Hohenschönhausen war die zentrale Untersuchungshaftanstalt der Staatssicherheit der DDR. Die Schülerinnen und Schüler der Klasse BM 66i und ihr Klassenlehrer Olaf Munderloh möchten hier mehr erfahren über das Unrechtssystem der DDR. Geführt werden sie von Karl-Heinz Richter. Richter ist Zeitzeuge, da er selber politischer Gefangener der Staatssicherheit war. Er berichtet: „Hier saßen keine Eier-diebe, sondern nur diejenigen, deren Nase denen nicht passte“. Das Gelände sei damals Sperrgebiet und auf keinem Stadtplan verzeichnet gewesen. Politische Gefangene seien hier ohne Anklage eingesperrt, gedemütigt und physisch sowie psychisch gefoltert worden.

Karl-Heinz Richter beschloss mit seinen Freunden aus der DDR zu fliehen. Sie fanden eine Stelle, an der sie auf einen Nachtzug, der von Moskau nach Paris fuhr, aufspringen konnten. Zwölf Kameraden habe er so zur Flucht verholfen, sagt Richter. Als er selbst rüber wollte, hätten die Grenzer schon auf ihn gewartet. Richter wollte fliehen und sprang dabei eine sieben Meter hohe Mauer hinunter. Er zog sich zahlreiche Knochenbrüche zu, wurde aber später von der Stasi geschnappt. Auf persönliche Anordnung Erich Mielkes habe man ihn nicht medizinisch behandelt. Er habe nicht einmal Schmerzmittel bekommen. Die ersten acht Wochen in Haft seien schlimm gewesen, erzählt Richter im Keller des alten Gefängnistraktes. Er habe gestunken wie ein Puma, da er sich seine Wunden mit Urin eingerieben habe. Nicht ohne Stolz berichtet er, dass er bis zum Schluss kein Geständnis abgegeben habe. Dabei sei besonders der Dunkelarrest hart gewesen. Viele seien in solchen Zellen verrückt geworden. Man verliere nämlich die Zeit. Man schlafe ein, wache auf, wisse aber nicht, ob nach einer oder nach fünf Stunden. Von da an habe man ein Problem.

Am Schluss lässt sich Richter in einem Vernehmungsraum auf jenem Stuhl nieder, auf dem früher der Stasibeamte saß. Hier seien die Gefangenen bis zur Bewusstlosigkeit verprügelt worden. Aus diesem Grunde seien die Türen extra dick gepolstert gewesen, da-mit keine Schreie nach draußen drangen. Der beängstigende Blick der Schüler fällt auf die heute noch gepolsterte Tür. Anschließend richtet Karl-Heinz Richter einen eindringlichen Appell an die Klasse. Vor dem Hintergrund der von links und von rechts aufkommenden Strömungen sollten diese unsere Demokratie bewahren und verteidigen, da jede Diktatur Zustände erzeugen werde, wie er sie seinerzeit erlebt habe: "Lasst es nicht so weit kommen, dass die Demokratie versagt!"

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