Abwassersünden in Hannover

Die Abwasserreinigung ist ein aufwendiger Prozess mit verschiedenen Einzelschritten. Bei der Reinigung werden mechanische und biologische Verfahren eingesetzt. Unsere Großklärwerke in Herrenhausen und Gümmerwald reinigen das in Hannover anfallende Abwasser. Insgesamt werden an trockenen Tagen rund 157.000 Kubikmeter Schmutz- und Mischwasser gereinigt.

Nachdem das Abwasser aus der ganzen Stadt zu unseren Kläranlagen gepumpt wird und dort durch die Rechenanlage fließt, wird es von Grobstoffen, wie beispielsweise Papier, Windeln, Binden, Textilien, Plastik und Essensresten gereinigt, wobei Greifer das Rechengut abstreifen und es auf ein Förderband bringen. An dieser Stelle des Klärwerks wird sichtbar, wie viel Abfall, der nicht in die Kanalisation gehört, durch die Toilette achtlos fortgespült wird.

In den Rechengutanlagen in Hannover-Herrenhausen und Gümmerwald fallen täglich rund sechs Tonnen Abfall an. Nicht nur Grobstoffe stellen ein Problem für die nachhaltige Abwasserreinigung dar; auch lösliche Stoffe wie Lacke und Farben, scharfe Reiniger, Lösungsmittel und Verdünner gehören weder in die Toilette noch in den Ausguss. Sie sind nur schwer aus dem Wasser zu filtern.

Bei der biologischen Reinigung arbeiten 995 Quindezillionen (Ziffer 995 gefolgt von 90 Nullen) „Mitarbeiter“ für uns. Diese „Mitarbeiter“ sind Mikroorganismen, wie z. B. Wimperntierchen, Pantoffeltierchen, Geißeltierchen, die unser Abwasser reinigen. Sie sterben durch die Entsorgung von Chemikalien durch die Toilette. Zwar werden 98 Prozent des Abwassers gereinigt, dennoch gelangen 2 % ungereinigtes Wasser in die Leine und vergiften das Grundwasser.

Gleiches gilt auch für Medikamente. Es handelt sich hierbei um Sondermüll, der auch zur Verunreinigung des Grundwassers beiträgt. Pflanzliche und tierische Öle und Fette verkleben die Abwasserleitungen und erleichtern somit Ratten – angelockt durch die Entsorgung von Speiseresten über die Toilette – den Weg durch die Rohre, die sich dann auch schon mal bis in die Badezimmertoilette vorwagen. In der städtischen Kanalisation leben ausschließlich Wanderraten, die durch ihre hervorragenden Klettereigenschaften und einen ausgeprägten Tast- und Geruchssinn optimal an diesen unwirklichen Lebensraum angepasst sind. Sie finden immer irgendwo ein trockenes, warmes Plätzchen und haben keine Feinde zu fürchten. Deshalb sollten diese Abfälle in geschlossenen Gefäßen (z. B. alten Schraubgläsern) mit dem Hausmüll entsorgt werden.

Man sollte sich überlegen, ob man weiterhin Müll, Chemikalien oder Medikamente durch die Abflüsse wegspült, denn nicht nur die Umwelt leidet darunter, sondern auch das Portmonee, denn die Abwasserkosten steigen jedes Jahr erneut an und das nur durch das Wegschmeißen durch die Toilette.

Also: Vorher überlegen, was unser Abwasser vertragen kann - dann Handeln!